Elsass & Pinot Gris ≠ Barock?
Wenn ich eine Stilistik eines Weines mit Architektur vergleiche, könnte das so aussehen: Grauburgunder aus dem Elsass kann - nicht immer(!) – prunkvoll, barock auftreten, also üppiger als viele deutsche Vertreter. Wie ein überfüllter Barocksaal mit goldenen Ornamenten, schweren Samt-Vorhängen, geschwungenen Formen. Hast du schon ein gedankliches Bild vor Augen?
Dann kommt ein Wein von Domaine Hunter McKirdy um die Ecke. Dieser Pinot Gris Weißwein schlägt eine andere, unerwartete Richtung ein. Es öffnet sich eine neue Tür: offenes Raumkonzept, klare Linien, viel Licht, viel Glas. Ruhig, gelassen. Bauhaus statt Barock.
„Sous les Coudriers Pinot Gris“ riecht nach leuchtender Mandarine, kühlen Zitronenscheiben, Kreide. Alles hell, klar, kristallin. Dezente Akzente setzen eine feine Hefenote, etwas Walderdbeere. Je wärmer das Sonnenlicht durchs Glas bricht, desto deutlicher treten die subtilen Röstaromen hervor.
Am Gaumen zieht die Säure schnurgerade durch. Linear, wie ein Strich mit dem Lineal gezogen. Die Textur ist wahnsinnig seidig, ausgekleidet mit feinen, körnigen Tanninen, die dem Bild Struktur geben. Wieder Mandarine, etwas Apfel, steinig - präzise, ohne Deko-Attitüde. Alles in sich ruhend, balanciert, fast schwebend.
Hier siegt Schlichtheit. Kein goldener Rahmen.
Ein Pinot Gris, der beweist: mit weniger lässt sich mehr sagen.
Definitiv ein persönlicher Favorit.