Kann orange wine auch Naturwein sein?

orange wine you beautiful soul!

WEINWISSEN FÜR DICH

Doch warum überhaupt orange? Hm... schauen wir mal ins Rezept. Für einen orange wine brauchen wir weiße Trauben. Die Herstellung folgt jedoch nicht nach Schema F, sondern nach dem Verfahren der Rotweinbereitung!

Weiße Trauben + Verarbeitung wie Rotwein
= orange wine

Das heißt der Kontakt mit der Maische ist erwünscht. Es erfolgt also ein Herauslösen der Inhaltsstoffe aus dem kompletten Traubengut, durch Maischevergärung. Das Traubengut bestehend aus Beere, Schale, Kerne, teils mit Stielgerüst, steht im Austausch mit dem bereits austretenden Saft.

Bildlich vorgestellt bricht die Beerenhaut auf. Darin enthalten ist das Phenol. Phenole enthalten Tannin, Farbe und Geschmacksstoffe, die etwas ganz wichtiges bewirken: Sie schützen vor Oxidation, da sie Sauerstoff binden. Ein erstes Indiz für Naturwein. Ein Zusatz von Schwefel ist überflüssig. Dabei kann die Dauer der Mazeration von Tagen bis Monaten, gar Jahre dauern. Bekannte Vertreter der orange wine -Bewegung sind das Weingut Radikon und Dario Prinčič aus Friaul-Julisch-Venetien.

Mehr Farbe und Tannin macht orange wine haltbar.

Durch das Herauslösen der Farbstoffe erfolgt eine dunklere Färbung des Saftes, die je nach (weißer) Rebsorte orangenfarbige Nuancen entwickelt. Die Weine sind kräftiger, mit mehr Struktur, die fortan an Rotweine erinnern. Blind verkostet, bei gleicher Temperatur, schwierig von Rotwein zu unterscheiden. Durch die erhöhte Ausbeute von Farbstoffen und Tannin ist orange wine langlebig.

Das macht sie aber noch nicht zu Naturweinen. Dafür sollten die Trauben aus bio oder biodynamischen Anbau stammen, mit der Einstellung des minimalen Eingriffs. Orange wines sind schwach filtriert, und werden trüb auf die Flasche gezogen, um nicht an Geschmackstiefe einzubüßen. 

orange wine gibt es seit tausenden von Jahren

Orange wines sind nicht neu. Sie werden seit tausenden von Jahren z. B. in Georgien produziert und moderne Technik war weder damals noch heute unbedingt notwendig (anders natürlich wenn man die Verantwortung für eine Großkellerei trägt). Der Ausbau erfolgt traditionell in Tongefäßen, den Quevris und/oder Amphoren. Die Wände der Quevris sind feinporig und erlauben eine minimale Luftzufuhr. Die Reifung der Weine erfolgt darin langsamer, als im Holzfass (siehe Weißwein Oxer Bastegieta Marko SKIN). Der Ton der Quevris ist an sich geschmacklos und gibt keine zusätzlichen Aromen an den Wein ab. Zudem werden Quevris im Boden begraben, mit dem Traubengut befüllt und verschlossen. Die Lagerung darin hat den Vorteil, das im Boden eine konstante Temperatur herrscht. Das diese Art der Verarbeitung wieder vermehrt zur Anwendung kommt, ist vermutlich auf die Neugierde des traditionellen Weinausbaus zurückzuführen. Der Weg von der modernen Kellerwirtschaft zurück zur traditionellen Methode.

Was heißt das für den Geschmack und ist das Naturwein?

Das Aroma in der Nase spiegelt sich nicht automatisch am Gaumen wieder. Die Noten von Orange wines sind deutlich vielfältiger und überraschender. Orange wines erinnern zum Teil an einen angegorenen Apfelsaft, Bratapfel, sind hefebetonter und würziger. 

Die Herstellung von Orange wines, kann zur Naturweinbewegung passen, WENN die Weinberge und Weiterverarbeitung des Traubenguts nach biologischer, naturnaher Bewirtschaftung befolgt werden. Somit kein Wegnehmen oder Hinzufügen während des Produktionsprozesses erfolgen. Merke dir: Orange wines fallen nicht selbständig in die Machart Naturwein.

Bei der Herstellung von Naturweinen wird der Gedanke gefasst, sich von der Massenware zu entfernen und durch Achtung vor der Natur ein individuelles Produkt zu schaffen das keine »Medikamente« braucht.

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